Die Gemeinsamkeiten von professioneller Fotografie und Einkauf

Olff Appold ist freier Fotograf und Fotodesigner aus Hamburg. Als Projektpate unseres Jahresthemas Fotografie gewährte er auf den Markentagen 2014 Einblick in seine Welt und zeigte an vielen Beispielen, dass Fotografie und Einkauf eigentlich viel gemeinsam haben. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung seines Vortrags.


„Als Fotograf ist der Perspektivwechsel in der Fotoproduktion natürlich ein Teil meiner Gestaltungsmöglichkeiten. Aber für Sie als Einkäufer liegt die Selbstverständlichkeit nicht so auf der Hand. Natürlich muss am Ende die Funktionalität stimmen. Aber das allein reicht nicht. Alle Produkte müssen den Arbeitsablauf der Kollegen selbstverständlich werden lassen. Das bedeutet, dass Sie in Ihrer Arbeit als Einkäufer Ihr Unternehmen und Ihre Kollegen im übertragenden Sinn in Szene setzen. Und wenn Sie da nicht regelmäßig über den Tellerrand schauen würden, dann könnten Sie das gar nicht richtig beurteilen und bewerkstelligen.

Eine Frage von Erfahrung und Talent

Als Fotograf bin ich gleichzeitig Dienstleister und Experte mit den Möglichkeiten der Beratung bezüglich der zu bewältigenden Aufgaben. Als Einkäufer für Ihr Unternehmen sind Sie der Experte. Sie müssen nicht nur Ihr Budget verwalten, Sie müssen sich sehr gut auskennen mit dem, was Sie tun, und sich mit den Mitarbeitern Ihres Unternehmens abstimmen.

Erfolg ist kein Zustand, sondern ein Prozess

Die Suche nach dem neuen Bild ist mein schönster Arbeitsprozess, vor allem weil es immer die Möglichkeit gibt, mich dabei selbst zu überraschen. Dabei kann ich mich keinesfalls auf den bereits erreichten Erfolgen ausruhen, sondern muss mich ständig mit den vorhandenen „Tools“ am Markt bekannt machen. Es geht nicht darum, einfach nur stumpf auf den Auslöser zu drücken, genauso wenig wie Sie im Einkauf einfach nur auf den Bestellknopf Ihrer Lieferanten drücken können. Auch Sie müssen ständig am Puls der Zeit bleiben. Fragen Sie sich doch mal ernsthaft, wie sich die Produktpalette in Ihrem Büroumfeld in den letzen 20 Jahren geändert hat. Es gilt, Trends zu erkennen und rechtzeitig gerüstet zu sein. Sie haben es in der Hand.

 

 

Das richtige Handwerkszeug ist entscheidend

Zu meinem Handwerkszeug gehört die beste Ausrüstung. Entscheidend ist allerdings, was ich daraus mache und wie effektiv ich all diese Dinge nutzen kann. In Ihrem Bereich wird das Handwerkszeug sicher zu häufig als selbstverständlich hingenommen. Dabei ist es einfach, vieles falsch zu machen. Manch ein Auftraggeber erkennt dies unter Umständen nicht einmal sofort: Auf den ersten Blick ist das bestellte Foto schon irgendwie gelungen. Später merkt man vielleicht, dass es besser hätte sein können oder besser sein müssen. Das gilt auch bei Büromaterial: Im ersten Moment funktioniert auch „minderwertige“ Qualität. Auf mittlere oder lange Sicht ist das aber sicher eine falsche Entscheidung.

Qualität braucht Qualität

In meinem Beruf kann die Verwendung minderwertiger Qualität zu großer Enttäuschung führen, und in Folge dessen würde ich als kreativer Dienstleister kein guter Partner für meine Auftraggeber sein. Wenn also auch Ihr Unternehmen Top-Produkte Ihrer Branche in Bezug auf Qualität, Innovation, Haltbarkeit, Technik usw. produziert, dann kann es natürlich nicht sein, dass die Basics am Arbeitsplatz Produkte sind, die diesen Kriterien nicht entsprechen! Sie als Einkäufer müssen gleichermaßen den schweren Weg zwischen Vorgaben und Ergebnis gehen. Auch wenn möglicherweise das Sparen im Fokus steht, muss dennoch die Qualität gewährleistet bleiben. Gerade bei wirtschaftlich weniger bedeutenden Produkten ist das schwierig. Manchmal muss man darum kämpfen.

Erfolg braucht keine große Bühne

Ein Einkäufer fällt vor allem dann auf, wenn er seinen Job NICHT gut machen konnte, aus welchen Gründen auch immer. Ein toller Einkäufer fällt in der Regel gar nicht auf. Ein Outsider weiß vielfach gar nicht, was wie viel Aufwand dahintersteckt. Genauso ist es in der Fotografie: Wenn alles prima geklappt hat, gibt es keine Rückmeldung. Bei mir ist es in 99 Prozent der Fälle genauso.“