Experteninterview mit Stefan Hagen

Interview mit Stefan Hagen, Berater und Coach: „Entscheidungen den Druck nehmen“.


Auf den OGC-Markentagen sorgte Coach und Berater Stefan Hagen mit seinem Vortrag zum Jahresmotto „Mut zur Entscheidung“ für heitere, aber auch nachdenkliche Momente bei den interessierten Besuchern. Im Interview gibt er inspirierende Tipps für alle, die mit Entscheidungen hadern.

 

  1. Frage: Herr Hagen, vielen Menschen fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen. Oft schieben sie sie so lange vor sich her, bis negative Konsequenzen folgen. Kann man es lernen, schwierige Entscheidungen zu treffen?

Antwort: Als Berater hat man natürlich die perfekte Antwort zur Hand und sagt „Jein.“ Diese Frage lässt sich schwer beantworten. Es gibt verschiedene Persönlichkeitstypen, die unterschiedlich entscheiden. Es gibt sehr risikofreudige Menschen, die auch bei schwierigen Entscheidungen sehr schnell Entscheidungen treffen und es gibt Menschen, die durch ein hohes Sicherheitsbedürfnis anders an Entscheidungen herangehen. Wenn Sie also ein sehr sicherheitsbedürftiger Mensch sind, der viele Informationen für eine Entscheidung braucht oder ein risikofreudiger Mensch sind, der impulsiv und schnell handelt, sollten Sie diese Eigenschaft Ihrer Persönlichkeit kennen und akzeptieren. Wenn Sie wissen, welcher Entscheidungstyp Sie sind, können Sie tatsächlich lernen, besser mit Entscheidungen umzugehen. Dadurch haben Sie weniger Angst vor schwierigen Entscheidungen und Angst ist der Hauptgrund, wieso Menschen oft in eine Entscheidungslähmung verfallen. Das Wort Entscheidung enthält ja den Wortstamm „Scheidung“. Sie müssen sich also von Alternativen trennen, was für viele Menschen sehr schwierig ist. Wir sprechen oft von Entscheidungen als Veränderung wie zum Beispiel im Change Management. Diese Prozesse scheitern, wenn Veränderung damit gleichgesetzt wird, alles Vergangene als negativ zu betrachten. Deswegen spreche ich lieber von Entwicklung als Veränderung. Außerdem ist es wichtig, sich immer zu vergegenwärtigen, dass es wenige Entscheidungen im Leben gibt, die endlich und unumkehrbar sind. Das nimmt den Druck aus der Entscheidung. Vielen Menschen hilft es, sich eine zeitliche Grenze zu setzen. Dadurch nehmen Sie sich den Druck, etwas ganz schnell entscheiden zu müssen und können sich gleichzeitig nicht ewig im Kreis drehen. Auch schnelle, impulsive Entscheidungstypen sollten ihre Entscheidungen hinterfragen. Eine gute Entscheidung entsteht aus dem Wechselspiel zwischen Vernunft und Intuition.

  1. Frage: Gibt es Faktoren, die bei einer wichtigen Entscheidung immer bedacht werden sollten?

Antwort: Meiner Meinung nach ist bei einer wichtigen Entscheidung das persönliche Wertesystem von elementarer Bedeutung. Also zu überlegen, was Ihnen langfristig wichtig ist. Je schwieriger die Entscheidung ist, desto langfristiger sollte der Betrachtungszeitraum sein. Man sollte sich immer fragen: „Kann ich mir diese Situation oder Bedingungen auch in zehn Jahren noch vorstellen?“ Oft kommt dann eine sehr spontane Antwort. Es ist wichtig, eine Vorstellung davon zu haben, welche Richtung Sie einschlagen wollen.

Werte bilden bei Entscheidungen so eine Art Leitplanke und je schwieriger die Entscheidung, desto langfristiger der Horizont. Persönliche Werte, wirtschaftliche Werte, rechtliche Werte sowie Träume und Zukunftsvisionen ziehen sich wie ein roter Faden durch wichtige Entscheidungen.

  1. Frage: Wie geht man am besten mit Risiken und Widerständen um? Gibt es auch falsche Entscheidungen und wie nutzt man diese positiv?

Antwort: Meiner Meinung nach gibt es nur eine falsche Entscheidung und das ist die, nicht zu entscheiden. Wer nicht entscheidet, über den wird entschieden. Falsche Entscheidungen zu treffen ist im Leben unvermeidbar. Sie sollten sich aber bei jeder Entscheidung bewusst sein, dass die meisten rückgängig gemacht werden können. Dies kann sehr viel kosten – Zeit, Kraft, Aufwand, Geld – aber es ist fast immer möglich. Wenn Sie also eine falsche Entscheidung getroffen haben, ist es wichtig, diese zu reflektieren. „Was hat mich zu dieser Entscheidung bewogen? Sind die Dinge, die damals für mich wichtig waren immer noch wichtig?“ Wenn sich Ihre Lebenssituation und die Bedingungen, die zur Entscheidung geführt haben, geändert haben, können Sie die Entscheidung rückgängig machen, auch wenn dies nicht einfach ist.

Risiken haben wieder etwas mit Ihrem Persönlichkeitstyp zu tun. Als sicherheitsorientierter Mensch ist es wichtig, die Risiken konkret durchzugehen und zu bewerten. Spielen Sie das Worst Case Scenario mit allen Konsequenzen durch. „Was passiert wenn …?“ Machen Sie sich bewusst, was als Schlimmstes passieren kann und berücksichtigen Sie das. Das nimmt die Angst und den Widerstand. Wenn Sie sich die Konsequenzen bewusst machen, verwandeln Sie die Angst in einen gesunden Respekt, der sie schützt und nicht lähmt. Respekt sorgt dafür, dass Sie sich informieren, abwägen und Ihre Emotionen hinterfragen. Widerstände sind also durchaus positiv. Informieren Sie sich, gehen Sie die Konsequenzen durch und vielleicht stellen Sie dann fest, dass es gar nicht so schlimm ist.

  1. Frage: Sie hatten selbst einen einschneidenden „Aha-Moment“ in Ihrem Leben, der Sie dazu bewog, beruflich völlig neue Wege zu gehen. Was war passiert und wie hat Ihre Biografie Ihren Umgang mit Entscheidungen verändert?

Antwort: Während mir die Urkunde zur Verbeamtung auf Lebenszeit überreicht wurde, hatte ich einen ganz intensiven „Aha“-Moment. Mein Vorgesetzter überreichte mir die Urkunde mit den Worten: „Hagen, jetzt sind Sie unkündbar“. Und alles was bei mir ankam, war der Gedanke „Jetzt hast du lebenslänglich“. Das ist ein bis heute unvergesslicher Moment für mich. Die Vorstellung, 40 Jahre lang das zu tun, was ich damals gemacht habe, hat mich in den Wahnsinn getrieben. Damals war der Begriff des Burn Out noch relativ ungebräuchlich, aber ich kannte den Begriff des Bore Out – Ausbrennen durch Langeweile. Ich habe mich später viel mit meinen Werten beschäftigt, wobei Unabhängigkeit und Flexibilität große Faktoren waren. Bei dieser Entscheidung habe ich gelernt, schwierige Entscheidungen nicht in dem Umfeld zu treffen, das sich auf die Entscheidung bezieht. Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich berufliche Veränderungen annehme, brauche ich ein anderes Umfeld und einen anderen Blickwinkel, um das Gehirn freizukriegen. Neutrale Gesprächspartner sind dabei auch wichtig. Was ich außerdem für mein Leben und auch meine Arbeit gelernt habe: Es ist immer wichtig, selbst die Entscheidung zu treffen. Nicht andere entscheiden zu lassen. Dadurch, dass ich mich entschieden habe, kann ich mit dieser Entscheidung trotz aller Höhen und Tiefen, die sich daraus ergeben haben, leben. Es gibt auch Entscheidungen, die andere für mich getroffen haben. Mit denen kann ich schwieriger leben.

Ein weiterer Punkt, den ich für mein restliches Leben mitgenommen habe: Bei vielen Dingen hätte ich mir hinterher vorgeworfen, es nicht versucht zu haben. Dabei auch immer wieder den Gedanken berücksichtigen: „Wie hoch ist das Risiko? Ist das Risiko vertretbar – kann ich es versuchen?“


Wer selbst die Initiative in seinem Leben ergreifen will, ist bei Stefan Hagen – bekannt aus der Kabel 1-Serie „Hagen hilft“ – richtig. Der Speaker, Coach und Berater gibt Impulse und vermittelt Strategien zur Entscheidungsfindung.

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