Interview mit Katarzyna Mol-Wolf, Verlegerin

Inspirierend: Interview mit Dr. Katarzyna Mol-Wolf, Herausgeberin von „Emotion“

Mit „Emotion“ hat die Verlegerin Dr. Katarzyna Mol-Wolf eine persönliche und unternehmerische Vision verwirklicht und behauptet sich erfolgreich auf dem Zeitschriftenmarkt. Im Interview erzählt Sie, was ihre Entscheidungsprozesse beeinflusst hat. Ein wiederkehrendes Motiv sind dabei starke Frauen, die ihren eigenen Weg gehen. Dies ist auch Thema der „Emotion“-Plattform „Wer willst du sein?“ und des Women’s Day am 06. Mai in Hamburg.


Frage 1: Als Gruner + Jahr im Begriff war, „Emotion“ einzustellen, kauften Sie dem großen Verlagskonzern die Zeitschrift per Management-Buy-Out ab. Nicht nur ohne eigenes Kapital im Rücken eine sehr mutige Entscheidung mitten in einer Print- und Wirtschaftskrise. Welche Entscheidungsprozesse standen dahinter und hatten Sie einen Plan B?

Ich war zu diesem Zeitpunkt Verlags- und Anzeigenleiterin bei „Emotion“ und sah, dass in der Marke sehr viel Potenzial steckte. Als Gruner + Jahr im Entscheidungsprozess war, den Titel einzustellen, merkte ich, dass ich nicht für etwas kämpfen wollte, was letztlich von anderen entschieden wird. Es wurde mir klar, dass ich eigentlich Unternehmerin bin. Es birgt mehr Risiken, aber ich möchte selber entscheiden. Einen Plan B für das Buy-Out gab es nicht, aber ich wäre auf jeden Fall den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen, hätte zum Beispiel eine eigene Zeitschrift gegründet. Frauen zu ermutigen, sich die Frage zu stellen „Wer willst du eigentlich sein?“ ist die DNA von „Emotion“. Wir sind überzeugt, dass es wichtig ist, sich regelmäßig Zeit zu nehmen zu überprüfen, ob man auf dem richtigen Weg in seinem Leben ist, sich auszuprobieren und seine eigenen Träume zu verwirklichen.

Frage 2: Wie unterscheiden sich Ihre Entscheidungsprozesse als selbstständige Unternehmerin gegenüber der Zeit davor? Entscheiden Sie heute schneller oder bestimmter als früher? Riskieren Sie mehr oder sind Sie vorsichtiger?

Bei „Emotion“ pflegen wir eine Firmenkultur, in der Vertrauen und Loyalität zum Unternehmen und seinen Werten sowie das Thema Selbstwirksamkeit sehr wichtig sind. Mitarbeiter lernen, unternehmerisch zu handeln und selber zu entscheiden. Wir haben viel flachere Hierarchien als große Unternehmen und entscheiden daher recht schnell. Eine der wichtigsten Herausforderungen der Selbstständigkeit ist es, sich regelmäßig zu fokussieren, denn sonst läuft man gerade in einer heißen Start-Up-Phase Gefahr, sich zu verzetteln.

Frage 3: Emotion ist keine typische Frauenzeitschrift. U.a. haben Sie die Plattform „Wer willst du sein?“ ins Leben gerufen. Sie engagieren sich für Gleichberechtigung und möchten Frauen dazu inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Hat Ihre eigene Geschichte die Entwicklung der Plattform beeinflusst?

Meine Biografie hat mich darin bestärkt, dass im Leben alles möglich ist, wenn man weiß, was man will und dass man es einfach versuchen muss. Ich bin mit meiner Mutter eigentlich nur für zwei Wochen aus Polen nach Deutschland gekommen, doch dann gab es die politische Entwicklung der Solidarność -Bewegung. Meine Mutter lief Gefahr bei ihrer Rückkehr nach Polen verhaftet zu werden und entschloss sich, in Deutschland zu bleiben. Wir hatten also nichts außer diesem Urlaubskoffer für zwei Wochen. Aber ich habe aus dieser Zeit gelernt, dass es nicht schlimm ist, wenn man nichts hat. Stattdessen ist es wichtig, sich sein Ziel zu überlegen. Sich etwas zutrauen, einfach loszulegen und es zu versuchen, hat mir für mein Leben großen Mut und großes Selbstvertrauen mitgegeben. Es hat mich einen gesunden Lösungsmechanismus gelehrt, denn ich weiß, wenn ich im Leben stolpere, liegt es an mir, zu entscheiden, ob ich liegenbleibe oder ob ich wieder aufstehe. Das halte ich selber in der Hand, denn ich bin nicht Opfer meines Schicksals. Hoch- und Tiefphasen gehören im Leben dazu, Hochphasen wüsste man ja ohne tiefe Phasen nicht zu schätzen.

Ich möchte Frauen Kraft geben, die zu sein, die sie wirklich sind. Was nicht heißt, dass es in unserem heutigen Leistungsdenken immer Riesenschritte sein müssen. Es ist nur wichtig, dass wir versuchen, unsere Träume umzusetzen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht und manchmal braucht man etwas länger, aber es ist nie zu spät, um herauszufinden, welches der richtige Weg ist. Die Plattform „Wer willst du sein?“, auf der Frauen unter anderem Briefe an sich selbst veröffentlichen, soll ihnen dabei helfen. Denn es gibt viele Techniken, Tools und gerade auch die Stärke anderer Frauen, die einem dabei helfen können, was ich in meinem eigenen Leben am Beispiel meiner Mutter gesehen habe.

Frage 4: Welcher Entscheidungstyp sind Sie? Sind Sie eine schnelle Entscheiderin, entscheiden Sie intuitiv, pragmatisch oder zweifeln Sie lange? Gibt es Strategien zur Entscheidungsfindung die Sie anwenden?

Antwort: Natürlich führe ich eine pragmatische Analyse durch, aber ich höre bei Entscheidungen auf mein Bauchgefühl. Bei der Wahl von Mitarbeitern habe ich beispielsweise gelernt, keine Kompromisse zu machen, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt. Für eine gute Entscheidungsfindung spielt ein guter Mix verschiedener Teammitglieder eine Rolle. Als jemand, der sehr engagiert ist und große Visionen für Dinge hat, habe ich gern eine Controllerin mit einem harten Blick für Zahlen an meiner Seite. Wir pflegen eine offene Feedback-Kultur bei uns, denn mir liegt es am Herzen, dass sich jeder traut, seine eigene Meinung zu sagen. Besonders für Frauen ist es wichtig, zu lernen mit Kritik umzugehen und die Riesenchancen in Fehlern zu sehen. Sie zwingen uns zu rekapitulieren, zu überlegen, wieso etwas schiefgelaufen ist oder ob man beim nächsten Mal die Herangehensweise ändert.

Frage 5: Wie gehen Sie mit Risiken und Widerständen um?

Ich bin eine engagierte Überzeugerin. Das Brennen für bestimmte Projekte und die Fähigkeit sie verkaufen zu können, ist eine meiner Stärken. Wenn ich Widerstand spüre, versuche ich zu verstehen, warum es diesen gibt und dagegen anzugehen. Ich habe großen Kampfgeist, großes Engagement und eine gewisse Energie, nicht aufzugeben. Aber ich höre mir genau an, was die andere Seite zu sagen hat und lasse mich durch gute Argumente überzeugen. Ich bewege das alles in mir und versuche, für mich selber die richtige Entscheidung zu treffen.


Bild: ©Brita Sönnichsen

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