Experteninterview mit Frederik Braun

Interview mit Frederik Braun, Geschäftsführer des Miniatur Wunderland„Träume wahr werden lassen – Von der Vision zum Erfolg.“


Als Frederik und Gerrit Braun ihren Bankberater im Jahr 2000 um einen Kredit in der Höhe von zwei Millionen Euro für die größte Modelleisenbahnanlage der Welt baten, lachte dieser für drei volle Minuten. 15 Millionen Besucher später ist das Hamburger Miniatur Wunderland eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Deutschlands und die beiden Gründer Bundesverdienstkreuzträger. Im Interview erzählt Frederik Braun, welche Entscheidungsprozesse diesen Traum Wirklichkeit werden ließen:

 

1. Frage: Diskothek, Plattenlabel, die erfolgreichste Sehenswürdigkeit Hamburgs – und nun ein Hotelgroßprojekt. Sie haben in Ihrem Leben nicht nur mutige berufliche Entscheidungen getroffen, Sie hatten auch immer großen Erfolg. Gibt es ein Geheimrezept zur Entscheidungsfindung?

Antwort: Ich bin jemand, der sehr ungeduldig ist, was in meinem Leben immer ein Vorteil war. Ich habe nie bis ins letzte Detail durchgeplant, bevor ich eine Entscheidung getroffen habe, sondern ich habe ganz schnell mit einer Mischung aus Bauch und Herzgefühl entschieden. Wenn ich für etwas gebrannt habe, und mein Bruder es auch gut fand, haben wir es umgesetzt. Ich bin im Entscheidungsprozess sehr schnell und kann mich sehr gut entscheiden.

Ich kann auch ehrlich sagen: Wenn ich auf die ganzen Menschen um mich herum gehört hätte, dann hätten wir das Miniatur Wunderland nicht gebaut. Von dem Moment der Entscheidung bis zur Eröffnung haben uns 99 von 100 Menschen abgeraten und eine Pleite prognostiziert.

2. Frage: Ihr Zwillingsbruder Gerrit Braun sagte einmal, er wüsste nicht, ob er ohne Sie die Entscheidungen seines Lebens so getroffen hätte. Wie wichtig sind Umfeld und Beratung für schwierige Entscheidungen?

Antwort: Mein Bruder Gerrit und ich sind in dieser Eigenschaft genau gleich: Wenn wir eine gute Idee haben, holen wir uns immer schnell und direkt Beratung. Entweder von der Familie oder im Miniatur Wunderland von unserem Team. Während der großen Hitzewelle habe ich beispielsweise gelesen, dass Kleinsttiere wie Bienen dabei stark bedroht sind. Ich dachte mir sofort: „Wir machen ein Video darüber, wie man den kleinen Tierchen helfen kann. Wir träufeln mit einer Pipette echtes Wasser in kleine Tränken, haben kleine Figürchen und sprechen einen Text darüber.“ Gleich am nächsten Tag habe ich mir von zwei Mitarbeitern Feedback geben lassen. Ich hole mir schnell zwei, drei andere Meinungen und dann entscheide ich. Ganz ohne mit irgendeinem anderen Menschen darüber gesprochen zu haben, entscheide ich selten.

Dazu kommt, dass mein Bruder Gerrit und ich sehr unterschiedlich sind. Er ist sehr realistisch. Ich hingegen bin träumerisch-optimistisch. Wenn beide Seiten bei einer Entscheidung einer Meinung waren, hat es immer geklappt. Es wäre definitiv noch selbstbewusster, völlig unabhängig von anderen etwas einfach zu machen. Aber bei mir und meinem Bruder ist die Absicherung durch den jeweils anderen ganz wichtig.

3. Frage: Als Geschäftsführer des Miniatur Wunderlands stehen Sie öfter mit innovativen und kontroversen Ideen in der Öffentlichkeit. Sind Sie schon einmal mit einer Entscheidung gescheitert? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Antwort: Ich denke gerade darüber nach, ob es in meinem Leben schon einmal wirkliche Rückschläge gab. Man hat immer kleinere Rückschläge, privat oder geschäftlich. Aber eine richtige Fehlentscheidung gab es nie. Auf das Miniatur Wunderland bezogen ist unser starkes Engagement für die Olympia-Bewerbung von Hamburg zum Beispiel keine Fehlentscheidung gewesen. Innerhalb von drei Wochen haben sich die Hamburger – aufgrund der Flüchtlingskrise, Doping, dem Paris-Attentat – gegen Olympia entschieden. Das ist eine der größten Niederlagen in meinem Leben gewesen, hat aber nichts mit Entscheidungen zu tun. Ich habe nichts falsch gemacht und bereue es nicht. Denn Gerrit und ich sagen in der Öffentlichkeit deutlich unsere Meinung.

Als wir bei der Wahl von Donald Trump eine Mauer im Miniatur Wunderland gebaut haben, war uns klar, dass das nicht jeder gut finden wird. In Amerika gab es einen Shitstorm gegen uns: Die Amerikaner sind – egal ob für oder gegen Trump – erst einmal für Amerika und haben das ganz schlecht aufgenommen. Das mussten wir 48 Stunden in einer großen Härte und Schärfe mit vielen Beleidigungen erst einmal schlucken, was sehr anstrengend für harmoniesüchtige Menschen wie wir es sind ist. Wir haben mehrere Tausend Facebook-Fans verloren. Aber wir haben es nicht eine Sekunde bereut, weil es unsere Meinung war. International war es ein Love-Storm: Wir haben zigtausend deutsche und europäische und Fans gewonnen. Ich wurde vom Hamburger Abendblatt gefragt, warum wir das gemacht haben, obwohl wir so viele Fans verloren haben. Meine Antwort war: „Lieber verliere ich ein paar Fans als meine Seele.“ Dieser Satz wurde auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht und wir haben Tausende deutscher Fans gewonnen.

Ich habe bis jetzt nichts in meinem Leben bereut und keine größere schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Ich bin aber ein Hyper-Optimist und als solcher verdränge ich es vielleicht, wenn etwas Negatives passiert. Mein Bruder und ich sind definitiv Glückpilze. Über das Thema Glück könnte ich ein Buch schreiben. Das haben wir eigentlich schon lange komplett aufgebraucht.

4. Frage: Welche Entscheidungstypen sind Sie? Sind Sie schnelle Entscheider, entscheiden Sie intuitiv, pragmatisch oder zweifeln Sie lange?

Antwort: Wir entscheiden beide schnell, ich noch etwas schneller als Gerrit, der auch mehr auf die Fakten achtet. Pragmatisch entscheiden wir nie. Allerdings muss ich natürlich viele Entscheidungen treffen, die mit einem Traumjob zu tun haben. Das bringt hier fast alles Spaß und weckt in mir wahnsinnig viele Emotionen. Wenn ich Emotionen habe, will ich mit einer schnellen Entscheidung vorankommen. Je höher die Emotionen für ein Thema sind, desto schneller will ich, dass es verwirklicht wird.

5. Frage: Wie vereinen Sie unterschiedliche Entscheidungen? Handeln Sie nach einem Konsensprinzip?

Antwort: Wir haben keinen Vertrag, keine Regeln und kein Wording in unserem Leben formuliert, nach denen wir zusammen Lösungen finden. Es ist jedes Mal anders. Wenn ich eine Idee habe, für die ich Feuer und Flamme bin – und mein Bruder findet die Idee furchtbar – weiß ich nicht, welche Entscheidung wir am Ende treffen. Das entscheidet sich, je nachdem wie überzeugt ich bin und das vermitteln kann. Ich habe auch schon gute Ideen fallen lassen, wenn er dagegen war. Es ist ein gemeinsames Entscheiden. Gerrit sagt in so einer Situation zum Beispiel: „Ich zweifle zwar, dass es gut geht, aber probier’s.“ Das ist anders als zu sagen: „Die Idee ist furchtbar, mach es auf keinen Fall.“ Dann mache ich es nicht. Es gibt auch Momente, in denen ich zweifle und mir durch seine Rückendeckung diese Zweifel ausräumen lasse. Das ist aber eher selten. Meistens ist es sehr deutlich. „Du Gerrit, ich habe eine Idee. Ist in Ordnung, oder?“ Das mit dem Miniatur Wunderland ging auch ganz schnell.


Bild: ©Miniatur Wunderland Hamburg

 

 

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