Experteninterview mit Christian Schneider

Interview mit Christian Schneider, Geschäftsführer Schneider Schreibgeräte:„Frischer Wind für Klassiker.“


1. Frage: Herr Schneider, Sie hatten bereits eine interessante Aufgabe im Category-Management von Ebay in Berlin als Sie sich 2008 entschlossen, das Familienunternehmen im Schwarzwald mit über 600 Mitarbeitern zu übernehmen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Antwort: Der Gedanke eine Firma selbstbestimmt zu leiten, weiter zu entwickeln, und eigene Ideen zu verwirklichen ist natürlich eine große und schöne Herausforderung.

In meiner Zeit bei eBay konnte ich viele Erfahrungen sammeln und habe mir viele Gedanken über die Ausrichtung eines Unternehmens gemacht.

Bei eBay habe ich in kurzer Zeit drei Strategiewechsel erlebt, die durch die Geschäftsführung vorgegeben wurden. Dadurch wurden meines Erachtens nach viele Ressourcen verschwendet, und aus meiner Sicht lief dadurch auch wichtiger, zuvor betriebener Aufwand, von heute auf morgen ins Leere. Während dieser Zeit ist mir mehr und mehr bewusstgeworden, dass eine langfristig durchdachte Strategie mehr meiner persönlichen Haltung entspricht. In unserem eigenen Betrieb habe ich die Möglichkeit eine langfristig orientierte Strategie zu entwickeln und mich auf unsere ureigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Außerdem finde ich es spannend, ein haptisches und kein digitales Produkt zu optimieren und weltweit zu vermarkten.

2. Frage: Die Verbindung von Tradition und Innovation ist ein Markenzeichen von Schneider Schreibgeräte. Ihr Großvater, Firmengründer Christian Schneider, erkannte den Bedarf und schwenkte erfolgreich von der Produktion mechanischer Drehteile und Schrauben auf Schreibgeräte um. Nach ihrem Einstieg implementierten Sie ein neues Markenkonzept und konnten den Umsatz innerhalb weniger Jahre um 55 Prozent steigern. Welche Entscheidungsprozesse braucht es für solch eine Innovationskraft? 

Antwort: Wie Sie schon sagen, startete mein Großvater mit einer Dreherei. Zu jener Zeit gab es in unserer Umgebung sehr viele Familiendrehereien, die alle das Gleiche machten. Mein Großvater hat schon damals immer Ausschau gehalten, ob man irgendwas machen könnte, was erfolgsversprechender ist und dann ist er auf die Kugelschreibermine gekommen. Schneider basiert also auf dem Handwerk und legte immer sehr viel Wert auf technischen Fortschritt, Forschung, eigene Entwicklung und vor allem Qualität. Das ist auch bei Schneider geblieben und diese Grundidee hat sich über Jahrzehnte bewährt.

Wir machen bis heute alles selbst was nur irgendwie möglich ist, rüsten technisch immer weiter auf und sind jedoch ständig auf der Suche nach Innovationen. Ich denke, das macht heute die Firma Schneider ziemlich stark und autark auch gegenüber anderen. Nichts desto trotz kam in den letzten Jahren das Marketing etwas zu kurz.

Aus diesem Grund haben wir vor einigen Jahren im Zuge unserer Strategieplanungen unser Leitbild formuliert und dokumentiert, was unsere Wertevorstellungen sind, was uns als Unternehmen ausmacht und welche Ziele wir verfolgen. Im selben Jahr hat sich Schneider ein neues Erscheinungsbild gegeben, um mit klarem und eigenständigem Design das Profil als internationaler und innovativer Anbieter zu verschärfen. Die Wahrnehmung unserer Marke im unüberschaubaren Angebot wurde zeitgleich mit einem neuen Displaykonzept optimiert. Unsere Präsenz im Handel und der Umsatz sind dadurch deutlich gestiegen. In der heutigen Welt hat man leider nicht mehr viel Zeit, um neue Dinge voranzubringen. Es gibt einfach viele gute und gleiche Ideen weltweit, an denen immer mehr Menschen arbeiten. Folglich braucht man Mut und auch ein bisschen Glück, neue Themen auszuprobieren und marktreif zu machen. Die langfristig orientierte Strategie ist dabei unser Leitfaden und gibt uns die nötige Orientierung bei wichtigen Unternehmensentscheidungen. In unserem Team finden wir jedoch meist sehr schnell den Konsens, welche Themen für uns wichtig sind und können sie so schnell auch umsetzen.

3. Frage: Als erstes Unternehmen der Branche ist Schneider Schreibgeräte seit 1998 EMAS-zertifiziert und für seine nachhaltigen Maßnahmen bekannt. Wie ist es dazu gekommen und inwiefern spielt Nachhaltigkeit eine Rolle in der Entscheidungspolitik des Unternehmens?

Antwort: Die Standorte von Schneider liegen mitten in Erholungsgebieten und wir fühlen uns seit jeher stark mit der Natur verbunden. Aus diesem Grund haben wir schon früh begonnen, uns um ressourcen- und umweltschonende Verfahren zu kümmern – zu einer Zeit, als dies noch von vielen belächelt wurde. Bereits 1995 hat sich Schneider Gedanken über ein Umweltmanagementsystem gemacht. Als erstes Unternehmen der Branche erhielten wir dann 1998 das EMAS-Zertifikat, das wir seither regelmäßig revalidiert haben.

Auch was EMAS betrifft, imponierte uns die langfristige Ausrichtung und der kontinuierliche Verbesserungsprozess und die damit verbundene und verpflichtende Erstellung und Veröffentlichung einer Umwelterklärung. Diese machen das Thema für Interessierte einfach zugänglich und transparent. Uns liegt es seit jeher am Herzen, unser Umweltmanagement so transparent wie möglich zu kommunizieren.

Auch im Bereich des Umweltengagements hat es sich ausgezahlt, langfristig zu planen und das Thema nicht in „einmaligen Aktionen“ abzuhandeln. Kritische Verbraucher fragen nach und „Greenwashing“ oder halbherzige „grüne „Aktionen“ werden früher oder später entlarvt und wirken sich negativ auf das Firmenimage aus. Durch unsere frühe Zertifizierung und durch das kontinuierliche transparente Kommunizieren unserer Umweltleistungen können wir Vertrauen vermitteln und zeigen unseren Kunden, dass wir dieses Ideal auch glaubhaft umsetzen und im Betrieb leben.

Als wir 2010 unser Leitbild definiert haben, haben wir die Nachhaltigkeit als einen von vier Grundsätzen von Schneider festgelegt, somit hat Nachhaltigkeit die gleiche Priorität wie unsere hohe Produktqualität, die aufgeschlossene Einfachheit und die aktive Nähe zu den Nutzern. Sie steht uns also bei allen Entscheidungen als Kriterium zur Seite und ist bei Schneider bereits bei Produktkonzepten ein wichtiger Baustein. Design, Konstruktion, Auswahl von Materialien, bis hin zur EMAS-zertifizierten Produktion und Verpackung werden in Bezug auf Umweltverträglichkeit, Ressourcenverbrauch und Nachhaltigkeit geprüft und ausgerichtet.

 4. Frage: Wie gehen Sie persönlich mit Entscheidungen um? Sind sie ein schneller Entscheider, entscheiden sie intuitiv, pragmatisch oder zweifeln sie lange? Gibt es Strategien zur Entscheidungsfindung, die Sie anwenden?

Antwort: Ich entscheide in den meisten Fällen sehr schnell. Im Wesentlichen intuitiv und pragmatisch. Bei großen Investitionen wie Neubauten bin ich inzwischen vorsichtiger geworden, da sich die Zeiten einfach zu schnell verändern. Wir haben eine längerfristige Strategie und wenn die Vorschläge zu 100 % dazu passen, dann muss man selten zögern.

5. Frage: Wie gehen Sie mit Risiken und Widerständen um? Gibt es auch falsche Entscheidungen und wie nutzt man diese positiv?

Antwort: Risiken gibt es in der heutigen Welt viele, aber auch sehr viele Chancen. Ich bewerte die Risiken nicht so hoch wie die Chancen, die wir haben. Durch die immer noch stark verankerten abteilungsbezogenen Denkweisen entstehen auch sehr viele Widerstände. Diese müssen reduziert werden, in dem die Sichtweisen der einzelnen Personen erweitert werden. Das versuchen wir im Unternehmen durch eine andere Kommunikationspolitik zu erreichen. Wir haben dazu 7 wichtige strategische Perspektiven entwickelt, an denen jeder in seiner Zeit arbeiten muss, um das Unternehmen voranzubringen. Diese gemeinsame Stärke lässt auch die Widerstände von außen besiegen. Wir haben in den letzten Jahren auch einige falsche Entscheidungen getroffen, ganz klar. Sie beeinflussen mich immer wieder in den intuitiven und pragmatischen Entscheidungen in der Zukunft.

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