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Wie heißt es so schön: Andere Länder, andere Sitten! Dieses Sprichwort gilt natürlich auch in der Berufswelt. Ob lange Siesta statt halbstündiger Mittagspause oder Zeitarbeit versus Festanstellung – Der Arbeitsalltag sieht in europäischen Büros mitunter ganz anders aus als in Deutschland. Und was ist mit den Megatrends, die die deutsche Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten verändern? Sind die Neue Arbeitswelt oder Frau 2.0 in anderen Ländern schon Realität und können wir von einem Blick über den Tellerrand etwas lernen?
Die Megatrends wie Neue Arbeitswelt, Globalisierung, Frau 2.0 oder Individualisierung sind Begriffe, die verschiedene Trends in der deutschen Gesellschaft in den nächsten 50 Jahren beschreiben. Die genannten vier Megatrends sind besonders in der Bürowelt bereits gut zu beobachten: Mehr Selbstständige, mehr Frauen in den Führungspositionen, mehr Wahlmöglichkeiten zum Beispiel bei der Arbeitszeit. Für einige der deutschen Nachbarländer sind dies allerdings keine Trends mehr, sondern bereits Realität.
In den skandinavischen Ländern sind Frauen in den Führungsetagen keine Ausnahme mehr. Hier ist Gleichberechtigung keine Forderung, sondern Alltag. Frauen werden in hohen Firmenpositionen ohne Ausnahme akzeptiert und respektiert. Ursache ist unter anderem eine fortschrittlichere Regelung zur Kinderbetreuung. Dort gibt es seit 30 Jahren eine Betreuung des Nachwuchses von früh an, Ganztagsschulen inklusive. So können beide Elternteile einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Ganz klar: Neue Arbeitswelt trifft Frau 2.0.
Ähnlich sieht es in Frankreich aus, die berufstätige „Rabenmutter“ gibt es dort nicht. Die Erwerbstätigenquote berufstätiger Mütter liegt hier schon seit Jahren über 60 Prozent. Eine Zahl, die wir in Deutschland erst jetzt erreicht haben. Wie in Skandinavien werden die Betreuungsmöglichkeiten häufig direkt in den Unternehmen angeboten, beginnen mit jüngeren Kindern und dauern den ganzen Tag an. Übrigens hat Frankreich die höchste Geburtenrate in ganz Europa. Anders als in Deutschland angenommen ist eine Karriere bei Frauen kein Grund für weniger Kinder und daraus resultierenden demografischen Wandel.
Der Megatrend Globalisierung ist ein ständiger Begleiter in der Bürowelt der Zukunft. Er sorgt dafür, dass wir neben persönlichen Meetings auch per Telefon oder Videokonferenz mit Kollegen in aller Welt arbeiten. Zu einem erfolgreichen Termin gehören zufriedene Kollegen. Legen Sie Ihre Termine mit Mitarbeitern in Spanien, Italien und Portugal daher nicht in deren Siesta! Das ist ein Tabu, es sei denn, Sie sind tatsächlich vor Ort und es handelt sich um ein gemeinsames Geschäftsessen. Wegen der langen Mittagspause beginnt der Feierabend erst um 22 Uhr. Das ist für unser Empfinden sehr spät. In Großbritannien arbeitet man ungern vor neun Uhr mit Geschäftspartnern zusammen und der Freitagnachmittag wird möglichst freigehalten.
In einer global agierenden Arbeitswelt muss man auch die Urlaubszeiten der Geschäftspartner beachten: Von den Franzosen kommen im Sommer oftmals Abwesenheitsmeldungen, bei denen man den Kopf schütteln muss. Wochenlang werden dort im Juli und August manchmal ganze Firmen geschlossen. „Vacances d'été“ heißt das offiziell – Sommerpause, auf eine Zusammenarbeit muss man warten. Aber sind solche „Zwangsferien“ wirklich wünschenswert? Wenn alle zur Hauptreisezeit verreisen müssen – Nein, danke! Da lobt man sich die frei einteilbaren 30 Urlaubstage. Individualität statt Massenreise.
Über Flexibilität, Bestandteil des Megatrends Neue Arbeitswelt, und den Trend Individualisierung kann man in den Niederlanden viel erfahren. Hier sind Zeitverträge in allen Hierarchieebenen und individuell vereinbarte Tages- und Wochenarbeitszeiten üblich. So kann jeder für sich entscheiden, wann er wie viel Freizeit benötigt, wann die Familie an erster Stelle steht und wann er am effektivsten arbeitet. Die Hälfte aller Arbeitnehmer dort arbeitet in Teilzeit, bei den Frauen sind es sogar knapp 80 Prozent, die diese Möglichkeit nutzen, neben der Arbeit viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Zum Vergleich: in Deutschland sind 26 Prozent, bei den Franzosen nur 17 Prozent Teilzeitarbeiter.
Beispiele für die Umsetzung von Megatrends in der Bürowelt lassen sich in vielen Ländern finden. Ob Neue Arbeitswelt wie in den Niederlanden oder Frau 2.0 wie in Skandinavien. Alle arbeiten unterschiedlich, doch jedes Modell funktioniert auf seine Weise. Anregungen für das nächste Personalgespräch haben Sie jetzt zuhauf! Welche Modelle sich durchsetzen und wie die Megatrends unsere zukünftige Arbeitswelt in Deutschland wirklich verändern, sehen wir dann in den brand:news 2030.
(Quellen: Eurostat; Bundesagentur für Arbeit; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Genderreport; Bertelsmann Stiftung und Bundesfamilienministerium: Studie „Vereinbarkeit von Familie und Beruf im internationalen Vergleich“; Stern.de; Faz.net; Megatrend-Dokumentation Zukunftsinstitut GmbH)