Neigt sich Ihre Handschrift nach rechts, aber die Ihres Kollegen nach links? Also trifft ein warmherziger Mensch auf einen eher selbstbezogenen Zeitgenossen. So interpretieren das zumindest Graphologen. Unsere Schrift kann demnach so einiges über unser Temperament und über unsere intellektuellen Fähigkeiten verraten.

Du schreibst und ich sage dir, wer du bist. Wenn das nur so einfach wäre. Die Handschrift ist Ausdruck der Körpersprache und ermöglicht laut Graphologen einen Blick in die Persönlichkeit des Schreibers. Auch wenn der aus dem Griechischen stammende Begriff anderes vermuten lässt, ist die Graphologie (Lehre von der Bedeutung der Handschrift) bis heute keine anerkannte Wissenschaft. Ist also was dran oder handelt es sich reine Esoterik? Bei unseren europäischen Nachbarn in Italien oder Frankreich ist die Analyse der Handschrift ein bewährtes Mittel bei Bewerbungsverfahren. In Deutschland gibt es mehrere hundert Graphologen, die sich im Berufsverband geprüfter Graphologen/Psychologen e.V. zusammengeschlossen haben. Grund genug, sich das Ganze einmal genauer anzuschauen.

Zuallererst sei gesagt: Ob jemand eher undeutlich oder in Schönschrift schreibt, ist bei der Analyse nicht relevant. Vielmehr werden die Größenverhältnisse der jeweils oberen, mittleren und unteren Zone des Geschriebenen betrachtet. Intellektuelle Interessen, Begeisterungsfähigkeit, aber auch Oberflächlichkeit sollen betonte Oberlängen verraten (Buchstaben b, d, h, k, l und t). Wenig ausgeprägte Unterlängen (g, j, p, q, y) werden mit mangelndem Durchsetzungsvermögen und Antriebsarmut interpretiert.

Ist die Schrift an sich klein, gilt dies als Zeichen für geringes Selbstbewusstsein. Eine stark ausschweifende Schrift hingegen spricht für ein großes Ego. Teamunfähige Menschen schreiben häufig unregelmäßig und in spitz auslaufenden Bewegungen.

Sind zwischen den Worten große Lücken, sprechen Graphologen von geistiger Klarheit und einem genügenden Abstand zu Menschen und Dingen. Das kann im Extrem natürlich als Kontaktunfähigkeit interpretiert werden. Bei sehr emotionalen oder chaotischen Menschen fehlt der Abstand und ihre Wörter kleben aneinander.

Tendiert die Schrift nach rechts, ist der Schreiber ein warmherziger, kontaktfreudiger Mensch. Wenn die Neigung nach links geht, hat man es eher mit einem selbstbeherrschten und selbstbezogenen Menschen zu tun. Nüchterne, besonnene Schreiber mit wenig Temperament erkennt man an einer senkrechten Schrift.

Dagegen lässt sich einwenden, dass unsere Handschrift sich über die Jahre weiter entwickelt. Ihre Interpretation sollte also mit Vorsicht genossen werden. Schließlich schreiben Linkshänder, die in der Schule zu Rechtshändern umerzogen wurden, gerne mal nach links. Wissenschaftler kritisieren die Tatsache, dass es weder eine tonangebende Theorie der Graphologie, noch ein verbindliches Lehrbuch der graphologischen Schriftanalyse gibt. Dies steht der eindeutigen empirischen Überprüfung der Graphologie im Wege. Zwar können grundlegende Eigenschaften wie Temperament, Extro- oder Introvertiertheit, in der Schrift Ausdruck finden. Alter, Geschlecht, Beruf oder sozialer Status des Schreibers kann die Graphologie aber natürlich nicht „entziffern“.

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